Dez 202010
 

FRANKFURT(Dow Jones)–Kurzfristig steigende Kursen, aber durchsetzt mit ersten
Warnzeichen einer Korrektur, sehen Technische Analysten im DAX bis zum
Jahresende. Schon im ersten Quartal des neuen Jahres könnte das Fahrwasser
unruhiger werden.

Auf zunächst weiter steigende Kurse setzen die Analysten von HSBC Trinkaus.
Sie widmen sich dem Thema „Weihnachtsrally“ und haben die DAX-Performance der
letzten vier Handelstage bis zum Jahresschluss untersucht. Seit 1988 seien am
deutschen Aktienmarkt in diesem Zeitraum lediglich in drei Jahren Verluste
angefallen, so die Analysten. Die durchschnittliche Performance habe dabei
knapp 2% betragen.

Die entscheidenden Triggermarken für eine positive Performance in den letzten
Tagen des Jahres sehen sie weiter bei 7.043/45 Punkten. Ein Überwinden dieser
Zone dürfte für ein tieferes Eintauchen in die höher gelegene Widerstandszone
zwischen 7.040 bis 7.232 Punkte sorgen. Umgekehrt könnte ein Abtauchen unter
die unteren Triggermarken bei 6.964/48 Punkten eine nennenswerte Konsolidierung
auslösen.

Denn Anzeichen dafür machen die Analysten auch aus: So sei am Freitag der
vergangenen Handelswoche in den Candlestick-Charts ein „Bearish
Engulfing“-Muster produziert worden, dass die Tageskerzen der vier
Vorgängertage umschlossen habe. Übergeordnet müsse daher damit gerechnet
werden, dass die deutschen Standardwerte weiter auf der Stelle treten.

Auch Armin Kremser von der DZ Bank sieht erste Warnzeichen. Der DAX sei in
den vergangenen zwei Wochen in eine Seitwärtsbewegung übergegangen, die er
nicht signifikant nach oben auflösen konnte. Nun sei ein „charttechnischer
Stärkebeweis“ des Index nötig, etwa ein Sprung über die wichtige
Fibonacci-Marke bei 7.060 Punkten. Kurzfristig seien dann noch Kurse bis rund
7.200 möglich.

Mit dem Jahresstart könnten dann aber die schon letzten Meter auf der
Zielgeraden erreicht sein. Der Blick sollte dann wieder mehr auf die Risiken
des Marktes fallen. Hier zeichneten sich viele mögliche Belastungsfaktoren ab.
So zum Beispiel der deutliche Renditeanstieg der US-Treasuries und
Bundesanleihen. Kurzfristig werde ein leichter Zinsanstieg vom Aktienmarkt zwar
positiv gewertet und führe zu Umschichtungen von Renten in Aktien.
Mittelfristig sei es aber belastend.

Auch das Sentiment stört den Analysten. Die Börsenstimmung sei auf beiden
Seiten des Atlantiks zu positiv. „Wir sind schon auf einer Vorstufe zur
Euphorie“, warnt Kremser. Damit gebe es kaum noch zusätzliche Fantasie nach
oben.

Strategisch gebe es aber noch keinerlei Anzeichen für eine Trendumkehr. In
diesem Zeithorizont fehle es völlig an Top-Bildungs-Zeichen. Lediglich im
kurzfristigen, taktischen Bereich hält Kremser die Wahrscheinlichkeit einer
Konsolidierung für hoch. Sie könnte schon im ersten Quartal anstehen, weil das
Fahrwasser an den Aktienmärkten ab Jahresbeginn wieder rauher werden könnte.

Klaus Deppermann von der BHF Bank stört sich ebenfalls an zahlreichen
Warnzeichen an den Aktien- und Devisenmärkten wie dem zu hohen Optimismus.
Viele Indikatoren von der AAII-Stimmungsumfrage in den USA bis hin zur
Put-Call-Ratio seien ihren Höchstständen nahe gekommen. Dazu gesellten sich
viele Divergenzen zwischen Euro und Aktienmarkt. Ähnlich wie beim vergangenen
Jahreswechsel sei der Euro mit extremer Schwäche den Aktien vorausgelaufen.
Sollte der Vorlauf ähnlich lange wie damals sein, könnte ein Kursrückgang schon
bald bevorstehen.

Noch negativer seien jedoch die Divergenzen innerhalb der Aktien-Indizes,
besonders zu den Schwellenländern. So sähen die Indizes in Brasilien und
Hongkong bereits negativ aus, auch der Halbleiter-Index SOX zeige erste
Schwächesignale. Alle Indizes hatten bislang gute Vorlauffunktion für die
globalen Aktienmärkte.

Deppermann betont allerdings, dass er wegen der guten Marktbreite lediglich
Anzeichen für eine Korrektur von rund 10% bis 15% sieht. Aufgrund der
Zyklen-Analyse könnte sich das Zeitfenster dafür bis Anfang Februar erstrecken.
Esoterischen Crash-Prognosen wie dem „Hindenburg-Omen“ erteilt er eine klare
Absage. Dieser Indikator sei viel zu abhängig von der Marktbreite an der New
Yorker Börse NYSE, die viele Vorzugsaktien mit einbeziehe. Da sich dieser
Aktientyp auch am Rentenmarkt orientiere, sei das Omen bestenfalls als
Warnbarometer für Renten zu gebrauchen.

DJG/mod/reh

(END) Dow Jones Newswires

December 20, 2010 07:38 ET (12:38 GMT)
Dow Jones & Company, Inc.2010

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