Dez 162010
 

BERLIN (Dow Jones)–Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat am Donnerstag die weltweit expansive Geld- und Finanzpolitik als „weitgehend ausgereizt“ bezeichnet. (Foto: Bundesbank)
„Die Finanzpolitik ist in den Industrieländern angesichts der zum Teil dramatisch hohen Budgetdefizite insgesamt nicht mehr in der Lage, der Konjunktur weitere Impulse zu geben“, hoben die Kieler Ökonomen in ihrer jüngsten Konjunkturprognose hervor.

Die Leitzinsen sollen nach ihrem Dafürhalten weiter niedrig bleiben. „Angesichts der deutlich dämpfenden Finanzpolitik erscheint es angemessen, dass die Geldpolitik in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften zunächst expansiv ausgerichtet bleibt“, betonten sie. „So erwarten wir, dass die Notenbankzinsen über das gesamte Jahr 2011 hinweg überall unverändert niedrig bleiben und auch im Jahr 2012 nur allmählich angehoben werden“, erklärten die Wirtschaftswissenschaftler. Auf die zuletzt beobachtete Abflachung der konjunkturellen Erholung hätten die Notenbanken allerdings in unterschiedlicher Weise reagiert.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England lediglich ihren bislang eingeschlagenen Kurs bestätigt und deutlich gemacht hätten, dass mit einer geldpolitischen Straffung zunächst nicht zu rechnen sei, habe die Federal Reserve versucht, den Expansionsgrad weiter zu erhöhen, indem sie zusätzliche Mittel zum Kauf von Wertpapieren an den Märkten bereitgestellt habe mit dem Ziel, die langfristigen Zinsen zu senken. „Es ist allerdings fraglich, ob diese Politik geeignet ist, den gewünschten nachhaltigen und kräftigen konjunkturellen Aufschwung herbeizuführen“, kritisierte das IfW.

-Von Andreas Kißler, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 – 2888 4118, andreas.kissler@dowjones.com

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